Ergebnisse Studie 2021

Psychotherapeutische Versorgungsrealität komplex traumatisierter Menschen in Deutschland

Johanna Sommer et al., Initiative Phoenix - Bundesnetzwerk für angemessene Psychotherapie e.V.

 

Fragestellung: In Deutschland berufen sich die Krankenkassen bei der Bewilligung der Kostenübernahme für Psychotherapie auf eine Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Wie wirkt sich das auf die Versorgung komplex traumatisierter Menschen aus? Diese Studie erfasst Erfahrungswerte Betroffener, Angehöriger von Betroffenen und professioneller HelferInnen.

Methodik: An der sowohl Studie nahmen 1952 Personen mittels Online-Fragebogen auf einer geschützten Internetplattform teil. 1334 füllten den Fragebogen vollständig aus und wurden in die Auswertung einbezogen. Befragt wurden Betroffene, Angehörige von Betroffenen, MitarbeiterInnen in Beratungsstellen, ambulant arbeitende TherapeutInnen und stationär mit Traumatisierten Arbeitende. Neben der Erhebung quantitativer Daten befasst sich ein Großteil der Studie mit qualitativen Forschungsdaten zur Versorgungsrealität.

Ergebnisse: Die Daten belegen, dass die Versorgung komplex traumatisierter Menschen mit Psychotherapie nicht ausreichend ist, um Betroffene für dauerhafte gesellschaftliche Teilhabe zu stabilisieren. Als Ursache hierfür kann die fehlende finanzielle Unterstützung Therapiebedürftiger identifiziert werden. Kontinuierliche, fachlich gute Begleitung bei sinnvoller Vernetzung der professionellen HelferInnen kann Rückfälle verhindern, Kosten reduzieren und Chronifizierung von Komorbiditäten vermeiden.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigen, dass zwischen der Lücke in der Psychotherapie-Richtlinie und der mangelhaften Versorgung komplex traumatisierter Menschen ein Zusammenhang besteht, und legen die Notwendigkeit nahe, die Richtlinie zu ergänzen.

 

Schlüsselwörter: komplexe PTBS, Psychotherapie

 

Approach to complex posttraumatic stress disorder(s) in German mental health care

Johanna Sommer et al., Initiative Phoenix e.V. (National Network for Adequate Psychotherapy)

 

Aims: In Germany health insurances follow a directive for psychotherapy, in which the amount of sessions patients get is determined. The directive is established by a committee of healthcare professionals and representatives of public health insurances. How does the directive effect the relations between quantity and quality of the treatment and care for complexly traumatized clients? This study collects experience of affected clients, their relatives and mental health care professionals.

Method: 1952 people participated in an online-questionnaire based survey, 1334 completed and are included in the evaluation.

Results: Mental health care for complexly traumatized people in Germany is not adequate to stabilize affected clients for enduring social participation. This is consequence of the missing financial support for psychotherapy. Continuous professional qualified and skilled care with sensible networking among caretakers helps preventing relapses, reducing costs and avoiding the chronification of comorbid conditions.

Conclusions: The current results show an association between the loophole in the German psychotherapy directive and the deficient care for complexly traumatized people, and suggest an extension for the directive.

 

Key words: complex trauma, mental health care, PTSD

 

 

Veröffentlicht:

Trauma & Gewalt

Sommer, Johanna

 

Die psychotherapeutische Versorgungsrealität komplex traumatisierter Menschen in Deutschland Ergebnisse einer Studie der Initiative Phoenix – Bundesnetzwerk für angemessene Psychotherapie e. V.

November 2016, 10. Jahrgang, Heft 4, pp 308-319

DOI 10.21706/tg-10-4-308

https://elibrary.klett-cotta.de/article/10.21706/tg-10-4-308

 

Ergebnisse zusammengefasst als PDF-Datei: [Anhang]

Ergebnisse gesamt als PDF-Datei [Anhang]