Nachtrag zum offenen Brief
Seit dem wütenden offenen Brief,
der die "Geburt" der Initiative "Phoenix" einleitete, ist ein Jahr vergangen. In
der Zwischenzeit ist einiges passiert.
Indem ich zunächst leider auf
medikamentöse Behandlung zurückgreifen musste, hangelte ich mich durch die
nächsten Wochen. Ein Psychiater unterstützte mich gegenüber der Krankenkasse und
so konnte ich im Sommer 2010 in einer mehrwöchigen stationären Psychotherapie
endlich eine Stabilisierung erreichen. Die Finanzierung anschließender
ambulanter Traumatherapie blieb allerdings ein Problem, was mich auf meinem Weg
immer wieder bremste oder zurück warf. An eine konstante Wiederaufnahme einer
Berufstätigkeit war noch immer nicht zu denken und mein Schuldenberg wurde
täglich größer. In einem erneuten Kraftakt halfen mir meine Therapeutin, meine
Partnerin, eine Beraterin von Wildwasser und eine Anwältin vom Weißen Ring, mich
für eine Unterstützung von außen einzusetzen. Ohne dieses geduldige und
"strapazierfähige" Netzwerk hätte ich die Energie und den Mut dafür nicht
aufbringen können. Auch die Rückmeldungen und der moralische Beistand anderer
Betroffener hat mich über diese schwierigen Monate getragen.
Die unglaublich erlösende
Nachricht erhielt ich Mitte November 2010: Der Weiße Ring stellt mir eine
Beihilfe zur Verfügung, mit der ich nun seit Januar 2011 für eine Zeitlang
therapeutisch weiter arbeiten kann - ohne die ständigen Gedanken an das Ende des
Stunden-Kontingents und das schlechte Gewissen wegen meiner unzureichenden
finanziellen Mittel.
Voraussichtlich zum Ende des
Sommers/im Herbst wird mich das Thema allerdings wieder einholen.
Nach Auskunft meiner
Krankenkasse kann ein Neuantrag für ambulante Psychotherapie wieder im Januar
2012 gestellt werden. Nach den Richtlinien des gBA, die zugrunde gelegt werden,
waren sie ohnehin schon überaus kulant mit der Bewilligung von 20 Stunden mehr
als die Richtlinie als maximal nötig vorgibt.
Gleichzeitig läuft im Moment das
Verfahren zur Gewährung von Hilfe nach dem OEG, über dessen Stand ich zu meiner
Entlastung aber nicht informiert bin. Sollte es erfolgreich enden, würde die
Hilfe des Weißen Ringes damit zurückgezahlt werden können.
Ich bin sehr dankbar für die
Möglichkeit, gerade einmal ausatmen und ein Stück meines Weges etwas
unbeschwerter fortsetzen zu können. Zur Stabilisierung bin ich froh über die
jetzt mögliche, aktuell hochfrequente Begleitung durch meine Therapeutin - so
kann ich mich sowohl über Fortschritte auf meinem Heilungsweg freuen, als auch
langsam wieder in den beruflichen Alltag einsteigen, was nicht unwesentlich zu
einer Verbesserung meines Gesundheitszustands beiträgt.